KP1 Legacy BoFü

(Kunst)

KP1


Final Justice


Prelude

Das Kamerateam von KP1 (Kulthaftes Programm Nr. 1), rekrutiert aus jungen frischen Schauspielern der Daily Torture "Verbotene Hiebe", schleicht unmotiviert über den MicroSlasher Campus in Redmond. Sie haben eine Wettschuld bei "Wette Dies" einzulösen, da sie Wettpaten für die Stallgemeinschaft "Brünstige Amazonen" aus Holderberg gewesen sind. Diese hatten ihre Wette, 500 verschiedene Waldpilze am Geschmack zu erkennen, in den Sand gesetzt, und waren an der Unterscheidung zwischen dem "Knollenblätterpilz" und dem "Kahlen Krempling" gescheitert. Die Beerdigung war im Anschluss übertragen worden.


Meating

"Dieses ganze Geseiere bringt uns doch keinen Schritt weiter. Sie wollen uns offensichtlich nicht die Windows NS Lizenzen übertragen, darum muss ich Sie jetzt leider alle erschießen..." Nach diesen glorreichen Worten blickt Morchel lächelnd durch seine vollverspiegelte Sonnenbrille in die ziemlich überraschten Gesichter der MicroSlasher Geschäftsführung. Er steht wie in Zeitlupe auf, zieht seine Walther PPK und erschießt Stevie "Bullshit" Ballme mitten durch das Gesicht. Während die nackte kreischende Panik im Konferenzsaal in Redmond losbricht, vergräbt H.P., Redner und Außenpolitiker der IG-Techno, sein Gesicht schluchzend zwischen den Händen: "Er macht es schon wieder! Es ist alles umsonst gewesen..."

Fabo trinkt weiter gelangweilt sein Mineralwasser. Auch als Morchel auf den Tisch springt, um mit nunmehr zwei Pistolen flüchtige MicroSlasher Mitarbeiter zu dezimieren, lehnt er sich nur zurück, und klopft H.P. auf die Schulter: "Morchel meint es doch nicht so."

Fehlschlag
"Monate der Vorbereitung für dieses Meating, und er knallt sie alle weg! Er meint es nicht so? Wie meint Morchel es dann?", H.P. ist sichtlich erregt. Genannter Morchel hat inzwischen eine Zigarre im Mund, und läßt mit sichtlichem Vergnügen die beiden Walther PPK zwischen seinen Händen wirbeln. Der schwarze Mantel flattert. Er hat Zeit, denn die MicroSlasher Partner haben im Gedränge die Ausgangstüren verstopft und kommen nicht mehr raus. Kugeln lassen ihre Schädel von hinten explodieren, und ihre Gehirne geben den Kunstwerken an der Wand des Konferenzsaales eine persönliche Note. Als letztes Subjekt erwischt Morchel noch einen abgehalfterten Rockstar, der als Gnadenbrot der MicroSlasher den Soundtrack für die PR-Kampagnen trällern durfte. Er spannt ihn mit seinen Stimmbändern beim Rausgehen beiläufig in den Rahmen der Doppelflügeltüren. Es geht doch nichts über eine persönliche Note...


Aufwärts

Abgang
Als der Saal endlich geräumt ist, bewegt sich auch der Vorstand der IG-Techno in Richtung Aufzug. Im Gebäude plärren Sirenen über den unglaublichen Verlust an wertvollen Menschenleben. Die Aufzugtüren öffnen sich, und sie blicken auf eine vollbesetzte Kabine mit schlotternden Sekretärinnen und unschuldigen Sachbearbeitern. "Das ist der falsche Aufzug" murmelt Morchel, und drückt nochmal auf einem Knopf. Krachend donnert von oben aus dem Schacht eine weitere Kabine aus schwarzem Stahl nach unten, und schubst die erste mit tonnenschwerer Wucht in das tiefste Kellergeschoss, wo der Inhalt spritzend zu Brei zermalmt wird.

Die schwarzen Aufzugtüren mit IG-Techno Emblem öffnen sich zischend. B-HUHN (BoFü-HauptUeberHauptNichts, territorialer Offiziersrang) Wostrowski lümmelt in der schwarzen Lederuniform mit Nietenkäppi an dem Fahrtenhebel herum: "Aufwärts, die Herren?"

"Es wirrrd immerrrr weiterrr aufwärrrrts gehen!" knarrrrt Fabo. Die Aufzugtüren schließen sich, Wostrowski reißt impulsiv den Fahrtenhebel runter, und sie schießen mit 7g aus dem Schacht des Gebäudes in den azurblauen Himmel hinein. Sie versuchen, auch im Angesicht unmenschlicher Beschleunigung heroisch zu wirken, was spätestens beim Aufprall im kombinierten Fahrstuhl- und Bombenschacht 3 des territorialen Stealth-Luftschiffes LZH-2 misslingt. Alle kleben an der Decke, als sich die Aufzugtüren auf dem Promenadendeck der LZH-2 in 700 Metern Höhe wieder öffnen.

"So, Wostrowski, das üben wir nochmal!"

"Wenn es sein muss..."

LZH-2
Fauchend wird B-HUHN Wostrowski mit dem Fahrstuhl wieder herunter gelassen, die dampfgetriebenen Seilwinden wimmern und kreischen. Durch den Schacht sieht man den Aufzug am Luftschiff baumelnd nach unten rasen. Er durchschlägt donnernd das Glasdach eines angesagten Cafes, in dem sich hauptsächlich Rechtsanwälte und Karrierefrauen zum nachmittäglichen Beischlaf verabreden, und zerklatscht die rothaarige langbeinige Kellnerin, so dass nur ihre beiden aufgeplatzten Brüste unter dem schräg im gefliesten Boden eingerammten schwarzen Aufzugskasten heraus stehen. Durch die überall umher schwirrenden Glassplitter sehen die übrigen Gäste auch eher irritierend aus.

Die wasserstoffgetriebenen Düsen des Luftschiffes heulen auf, Gas wird dröhnend mit Kolbenpumpen in die Kammern gepumpt, die LZH-2 nimmt Fahrt auf und beginnt zu steigen. Die Morgensonne gleißt auf der Stealth-Lackierung. Das Stahlseil an der Aufzugskabine im völlig zertrümmerten Cafe spannt sich schlagartig, und der Aufzug schießt durch die Frontseite des Gebäudes in die belebte Einkaufszone. Wie ein Schlaghammer rast der Aufzug durch die Mall, Passanten links und rechts in berstende Schaufenster verschleudernd, zusammengestauchte Kinderwagen und Rollstühle mit kreischenden Insassen vor sich her schiebend. Schließlich erreicht der Aufzug auf einem Schleimpfad aus Blut und Gedärm rutschend eine Tankstelle und köpft sämtliche Zapfsäulen und die Insassen eines Autobusses. Gerade so eben vor dem sich überall ausbreitendem fauchenden und alles verzehrenden Feuerball wird der Aufzug wieder nach oben in das Luftschiff gezogen.


Verlierer

Das Kamerateam hat inzwischen sein Ziel erreicht, und öffnet ein größeres Gepäckstück. Laut beigefügter Anleitung werden die Gasflaschen an das Gummizeug angeschlossen, und die Ventile aufgedreht.

"Du? Was ist denn das?" fragt Solvey Duhier ihren jugendlichen Kollegen Kai Börgel.

"Keine Ahnung, lass uns hier fertig machen, dann können wir nach Hause."

"Ich denke immer noch an die armen Frauen aus der Sendung!"

"Die waren selbst schuld! Jetzt komm, fass mit an, ich will weg."

Der Rufer
Zischend bläst sich ein meterhohes Gummiminarett mit kleinen Glühlämpchen an der Spitze auf, die lustig blinken. Eine fiepende rotierende Antenne fährt an der Spitze aus, Lautsprecher beginnen zu dröhnen: "Allah... aah...."

Das Team aus "Verbotene Hiebe" ist leicht irritiert. Yvonne staunt: "Was soll das sein? Fastfood Islam für Arme?"

"Die gucken schon alle so komisch."

"Scheiß Wette!"


Bergluft

Ein schnuckliges Bauernhäuschen, mit frisch gekalkten unschuldsweißen Wänden, putzigen Fensterläden und bestickten Gardinchen, ein grünes Kräutergärtlein am Fuße der Veranda, auf den uralten Bäumen rundherum zwitschern ein paar Vöglein, am blauen Himmel streicheln Sonnenstrahlen liebevoll die herrliche Landschaft. Der alte Alm-Öhi ruft: "Heidi, mach die Frischlufttanks für Michael Jason fertig. Gleich kommt der Hubschrauber und holt sie ab."

"Ja, Großvater. Sofort!"

Das kleine Mädchen Heidi verschließt die Tanks mit der frischen Schweizer Almluft und einigen schnuckeligen Geißen zusammen mit ihrem Geißen-Peter im Bunny-Kostüm, während schon das Geräusch eines Hubschraubers zu hören ist. Heidi hängt die Tanks an die heruntergelassenen Seile und der Hubschrauber fliegt davon.


Absturz

Die Astronauten des Space Shuttles Challenger II schauen völlig überrascht, als die BoFü-Mars-Mission herein rauscht und erklärt, dass der Mond vom Merkur okkupiert worden ist (JAAAA! Alles uns! Sieg!!!), während Schober diesen Trafo baut: "Ich habe hier den Mercedes meiner Eltern dabei."

"Take this Hakenkreuz-Flag and put in on your top! It's washable with SUNIL (greetinx to Georgie)!"

Lowtech
Der Co-Pilot des Shuttles meint gerade noch, "man sollte sich NIE auf die Kliemens-Programmierer verlassen", als eine Division durch Pi die in der Schiff-Intel-CPU integrierte FPU zur System Exception bringt: "Oh Gott, so viele Nachkommastellen! (Fehler -1 -OH-SHIT)"

Pilot, Co-Pilot und die blonde Schlampe blicken in die Mündung einer PPK. Niemand flucht jetzt noch über die hakelige Bedienung des Shuttles, die ausschließlich über den Ziffernblock geht. Das letzte Machwerk einer umgeschulten Truppe von überflüssigen Programmierern für Mobiltelefone.

"Immer diese Darstellungsfehler" murmelt die Konsole. Sie fährt den mit von Schrittmotoren aus uralten 8-Zoll-Laufwerken angetriebenen Roboterarm aus, der die PPK hält, und drückt ab. Drei gezielte Schüsse lassen die gesamte Mannschaft in kurzer Zeit zerplatzen. "You're expired!" - die famous last words der Konsole, bevor sie sich einem Division-by-Zero-Error hingibt.


Anschlag

Die Werbung auf KP1 wird abrupt beendet, man hört noch ein leises "you're expired", als sich das Bild stabilisiert und H.P. hinter seinem eisernen Schreibtisch sichtbar wird und mit souveräner Mine eine brandaktuelle Meldung verliest:

"Hier brennt alles!?" (Morchels Stimme aus dem Off: "Typisch H.P.!")

...

"(Sind wir On Air?)"

"Ähem... Guten Abend, meine Damen und Herren! Aus gegebenem Anlass unterbrechen wir unser Programm für eine aktuelle Meldung: Durch einen unglaublichen Terrorakt islamistischer Kräfte wurde heute Redmond vollkommen ausgelöscht. Wir machen sofort eine Live-Schaltung zum Ort des Grauens." (Im Hintergrund hört man das hysterische Kichern Morchels.)

Das Bild wechselt und man sieht einen Reporter vor dem Hauptquartier der MicroSlasher AG, unmittelbar neben dem Gummiminarett:

"Was ist los? Hier ist nichts, hier brennt nichts!" (Im Hintergrund hört man Morchels paranoides Kichern: "Aber gleich!")

Oooops
Während der Reporter noch vollkommen irritiert in die Kamera blickt, sieht man im Hintergrund das qualmende Spaceshuttle mit vollen Tanks (Sauerstoff, Wasserstoff und irgendwelches geiles Zeuch) und sprühendem Feststoffbooster relativ ungezielt auf Redmond vom Himmel stürzen. Das Geräusch wahrnehmend dreht sich der Reporter herum und sieht gerade noch, wie das Spaceshuttle aufschlägt und eine gigantische Explosion auslöst. Er schaltet schnell, und während er sich herumdreht und mit mitleidvollem Blick in die Kamera spricht "Mama..." wirbelt alles um ihn herum: Frauen, Kinder, Penisse, Hitzeschildkacheln, Wafer, Zuckerwatte, Diskette Nr. 43 von Excel 3.0 for Windows 3.11. Die Splitter ziehen dem Reporter die kokelnde Haut von den Knochen noch während er verdampft.

Das Kamerabild verfärbt sich blutrot, das Bild wird kurz schwarz, man hört Morchel "hier brennt nichts!", und dann sieht man H.P. mit gewohnt seriöser Haltung in die Kamera blicken:

"Wie versprochen -brandaktuell! Das schreit nach Rache, wir werden sie schon kriegen, sie sind alle schon tot! Ziemlich tot, verbrannt, so was von tot, toter geht's nicht! Wie kann man nur so tot sein! Und nun zurück zur Werbung und unserem Kochstudio. Wir wünschen guten Appetit!"


Rache

Das Bild wechselt, man sieht Einblendungen von blubbernder grüner Erbsensuppe und Rehbraten (Bambi), dann erscheint die Moderatorin. Während sie versucht, das Publikum zu begrüßen, kommt B-HUHN Wostrowski ins Bild, ein kleines Männchen im Bademantel an seinen langen Barthaaren herein zerrend: "Heute rächt die BoFü das amerikanische Volk! Er war's! Wir sind ziemlich sicher! Die Vorhersehung ist mit uns! So wahr uns Gott helfe! Ich bin dafür verantwortlich!"

Oral bestraft
Mit einem leisen "Oh Scheiße, was sag ich da" läßt er ihn auf den Boden fallen, erledigt ihn mit ein paar gezielten Schüssen aus der PPK in den Kopf und wischt sich das Gehirn vom steifen Penis. Während er fest auf den Schädel schaut, aus dessen zerschmetterten Augenhöhlen sein Sperma wie Kullertränen sickert, spricht er: "Salman Rushdie wird neidisch auf mich sein...", und verschwindet aus dem Bild. (man hört Morchels leises Kichern: "Ein echter Gehirnfick!")


Solidarität

Das Bild wechselt hektisch, man sieht den amerikanischen Präsidenten, nicht bewusst on Air zu sein, murmelnd "Oh mein Gott, er hat ja noch seinen Schwanz in dessen Ohr" (Wostrowski aus dem Off: "Davon habe ich immer geträumt! Bis der Schädel platzt!"). Dann bemerkt er, dass er live geschaltet ist und spricht mit fester Stimme: "Tod allen Turbanträgern!"

Bürger
"An das amerikanische Volk! Die amerikanische Nation ist heute das Opfer eines unglaublichen feigen Terrorakts, eines hinterhältigen Angriffs auf unsere freiheitliche Demokratie geworden. Amerika macht keinen Unterschied zwischen den Terroristen, die die Taten begangen haben, und denjenigen, die diese Unmenschen irgendwie unterstützt haben - alle Feinde müssen bis zur völligen Ausrottung vernichtet werden. Die Teilnahme des Territoriums am Antiterrorkrieg ist natürlich sehr zu begrüßen. Deshalb sind die Vereinigten Staaten, die großartigste Nation der Erde, schon sehr stolz, dass das Territorium in diesem Weltkrieg an ihrer Seite kämpfen und bomben wird. Arbeitsverweigerung wird mit www.gehirnfick.de bestraft. Tötet sie alle..."

Das Bild wechselt wieder zu H.P.: "Ihr habt es gehört, Bürger! Es ist unsere heilige Pflicht, in der Stunde der Not unseren amerikanischen Freunden bei zu stehen. Darum wurde ein Broadcast zu allen Faxgeräten im Territorium abgesandt, in dem alle Bürger des Territoriums zur Faxabstimmung aufgefordert werden. Diejenigen unter Ihnen, die wiedermal kein Papier im Schacht hatten, werden noch in dieser Stunde wegen Demokratieverweigerung zur Rechenschaft gezogen! Wie Sie alle wissen, ist die Nichtausübung des Wahlrechts strafbar und überhaupt höchst verachtenswürdig. Da wir um die Intelligenz unserer Bürger wissen, haben wir den Vorgang für Sie wesentlich vereinfacht. Schicken Sie uns einfach das Formular unter der angegebenen 0190-Nummer zurück, wir kümmern uns um den Rest!"

Das Faxgerät rattert, und der 1-Nadel-Impaktdrucker spuckt ein Sendeprotokoll aus. H.P. ergreift es, und spricht in die Kamera: "Ich habe es schon immer gewusst. Diese elenden Käseficker! Wir werden sie alle platt bomben!" Von hinten erscheint Morchel, klopft H.P. vorsichtig auf die Schulter, und weist ihn auf die laufende Kamera hin. H.P. zuckt nur kurz, und setzt ein strahlendes Harrobyl-Lächeln auf: "Die Faxabstimmung hat ergeben, dass wir jetzt ziemlich eindeutig genau wissen, dass sich die Terroristische Internationale (TI) in den unzugänglichen Schweizer Bergen versteckt hält, und von dort aus ihre feigen hinterhältigen und durch nichts und auch wieder nichts und immer noch nicht zu rechtfertigenden Anschläge plant. Als Kopf der Mörderbande El Heida hat sich der bärtige Alm-Öhi herausgestellt. Die Boxmacht ist bereits in Alarmbereitschaft versetzt worden!"
Terroristenpack

Im Hauptquartier der Boxmacht sieht man eine in eine weitere Instrumentenkonsole eingelassene, hektisch blinkende LED. Sie wird leider zwischen den ganzen anderen blinkenden LED nicht wahr genommen. Harte heroische Soldaten der Boxmacht grooven in schwarzen Uniformen cool durch den Bunker.

Vor der großen territorialen Karte sitzt H.P.: "Da nun der Bündnisfall eingetreten ist, ersuchen uns die USA um militärische Unterstützung, da wir der einzige Staat mit einer Grenze zur Schweiz sind. Weil es diesmal ein Bündnisfall und kein Überfall ist, muss das Parlament dem Einsatz noch zustimmen."


Demokratie

"Oh Scheiße, wir haben gar kein Parlament mehr! Die wurden doch schon vor Jahren alle deportiert...", Fabo blättert hektisch in dem großen Bildband "Geheimnisse unseres Territoriums, Vol. IV". Einige Kapitel in diesem einmaligen Werk in tätowierten Leder sind "Das Bernsteinzimmer, Polen, Elsass, Franz Josef Strauß, Stalingrad, Parlamentarische Demokratie, sonstige Verluste".

Parlamentarier
In einer technischen Glanzleistung wird das vollautomatische Notfallparlament im Reichstag aktiviert. Ein Dieselaggregat treibt Pressluft durch ein umfangreiches Rohrsystem. Furzend und quietschend richten sich die parlamentarischen Gummipuppen auf. Von Fraktion zu Fraktion springt der Funke neu erwachter Demokratie über. Alle sind sie wieder da, die DAP (Deutsche Autofahrer Partei), die KZP (Kleintier Züchter Partei), die BPS (Baut Pyramiden, Sofort!), die NSDAP (Natursekt Deutscher Anal-Patrioten) und viele andere mehr, die an der letzten regulären Regierungsbildung vor 45 Jahren beteiligt waren.

Morchel gibt an der Webkonsole das Abstimmungsergebnis ein. Zufrieden lehnt er sich im schwarzen Ledersessel zurück, und kontrolliert H.P.s Bekanntgabe des grandiosen Vertrauensbeweises an die BoFü durch das Parlament. Aus den Augenwinkeln heraus bemerkt er, wie ein Abgeordneter, nachdem er die Hand zum bedingungslosen "Ja" für den gnadenlosen Einsatz der Boxmacht auf Schweizer Gebiet gehoben hat, sich immer weiter aufbläht und mit einem Knall platzt. Anzug- und Gummifetzen segeln durch den Plenarsaal, weitere Köpfe und abgerissene Arme segeln sich überschlagend durch die Luft und bleiben flatternd und furzend an den Schuppen des Reichsraptors hängen. Irgendetwas stimmt mit der Pressluft nicht, das Parlament löst sich unkontrollierbar auf. Das war's für die nächsten 1000 Jahre.

"Uns hat soeben eine weitere schreckliche Nachricht erreicht: Ein feiger und heimtückischer Anschlag auf den Reichstag kostete das Leben sämtlicher Abgeordneten. Das Territorium wird nicht eher ruhen bis diese Schandtat bis in das letzte Glied der Verantwortlichen gerächt ist! Und nun zum Ort des grauenvollen Geschehens!" H.P. zittert vor empörter Erregung während er die Meldung verkündet, im Hintergrund kämpft Morchel mit der billigen Kamerad-Fernsteuerung für die Pressluftventile: "Scheiße, Scheiße, der Kohl platzt jetzt auch gleich, schon 4 Meter Durchmesser, das hält die Kuppel nie aus..."

Das Bild wechselt zum Reichstag. In der Glaskuppel sieht man vor staunenden Touristenaugen Gummiteile hoch und runter fliegen. Es sieht ein bisschen aus wie Quake 3 Arena. Eine Sondereinsatztruppe Smartballs, angeführt von Dr. Snorr und El Meuro, dem berüchtigten Rettungssanitäter, stürmt eiligst aus dem Hauptportal heraus. El Meuro nimmt im Angesicht einer kreischenden Menge Schaulustiger, die von RAPTOR-Beamten (Reichsautobahn Polizei - Territoriale Organisation gegen Revolten) mühelos mit automatischen Waffen auf Distanz gehalten werden, das Funkgerät zur Hand: "Ja, zweifellos ein bakteriologischer Angriff, ich tippe auf Tantrax, empfehle unbedingt Einsatz von Plan-C wie Christo..."

Der Sakrophag
Die knallrot gestrichenen Tankwagen der IG-Techno brechen aus allen Straßen hervor und donnern auf 10 Achsen durch die gaffenden Massen zum kontaminierten Reichstag. Heraus springen junge mutige Smartballs, Schläuche werden eiligst entrollt, Pumpen röhren jaulend auf und der Reichstag verschwindet durch hoch spritzende rein weiße Fontänen hinter einer Wand aus Bauschaum. Die Touristen drücken sich an dem Kuppelglas von innen die Nasen platt bis sie in ewiger Dunkelheit verschwinden.


Menschenrechte

H.P. ist vor Zorn erbleicht, im Hintergrund der Sarkophag anstelle des Reichstages: "Somit ist unseren Nachfahren eine schwere Last auferlegt. Der Sarkophag mit dem darunter liegenden verseuchten Reichstag darf frühestens in 1000 Jahren geöffnet werden! Doch wir wissen bereits genau, wer es war: Er war's!"

B-HUHN Wostrowski zerrt ein sich windendes kleines Männchen im Bademantel an seinen langen Barthaaren vor die Kamera. Während Wostrowski die PPK zückt, schreit es in die Kamera: "Das ist alles ein Irrtum! Ich habe Familie und Kinder!"
Verlustbehaftete
Kompression

"Stimmt doch gar nicht mehr..." giggelt Morchel im Hintergrund.

"Und nun verteidigt die BoFü die Jahrtausende währende europäische Tradition der Demokratie und Menschenrechte!" Mit diesen glorreichen Worten streckt B-HUHN Wostrowski das Männchen mit sechs peitschenden Schüssen ungezielt nieder. "Es ist nicht einfach, einen Schrumpfkopf zu machen. Man holt die Knochen durch die Nase raus. Das habe ich im Fernsehen gesehen. Dazu muss man natürlich vorher alles klein machen..." Mit diesen Worten nimmt B-HUHN Wostrowski einen großen Hammer zur Hand und beginnt das mühselige Werk.


Lötschental

Fabo blättert gerade noch gelangweilt in "Die Geheimnisse meines Erfolges - Von Dschinghis Khan". Er ist gerade an der Stelle: "Es gibt immer zwei Möglichkeiten. Die erste hat etwas mit Kopf abhacken zu tun. Die andere habe ich vergessen." Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht, seine Augen fangen an, zu leuchten und seine Nackenhaare richten sich in einem wohligen prickelnden Erschauern auf, als sein Mobiltelefon wie ein Flummy durch den Bunker springt. BoFü-Vibrationsalarm! Eine SMS (Siegreiche Meldungen Service) ist frisch eingetroffen: "Operation Geier Valley Storm angelaufen!"

Für General William T. Sherman war es immer das Größte, die Truppen von seinem Hotelfenster aus anzufeuern. Gerade heute morgen hatte er vor den versammelten Truppenteilen eine hinreißende Ansprache über die Befriedung des Lötschentals gehalten. Die amerikanischen Geiseln waren bereits aus den Klauen der hiesigen Bergvölker befreit worden, und warteten zwischen ihren Bergen aus Koffern auf den Heimtransport. Ein alter Schweizer versucht, mit seinem Spazierstock die Straße zu überqueren, als er mit einem hämmernden Stakkato aus dem Maschinengewehrnest in Stücke geschossen wird. Der GI meinte, gesehen zu haben, dass der Mann seinen Spazierstock auf ihn richtete. Kurz danach erschießt er ein kleines Mädchen, gerade noch rechtzeitig bevor es seine Geißen-Herde auf ihn hetzen kann. William T. Sherman ist hoch zufrieden mit seinem Mann: "Das gibt ein Purple Heart! Mindestens eins!!!"
Alles unter Kontrolle

Erste Rauchschwaden treiben über den Hotelvorplatz, der Rasenrand glimmt schon leicht, die Häuserzeile auf der anderen Seite des Marktplatzes brennt lichterloh. Nachdem die Dorfschule wegen nicht deutbarer Tafelaufschriften als Brutstätte terroristischer Machenschaften erkannt wurde, hatten die GIs alle verdächtigen Subjekte mit dem Flammenwerfer bearbeitet. General William T. Sherman atmet noch einmal tief durch. Das Aroma verbrannter Haare erweitert seine Sinne. Er freut sich schon auf den Abend, wenn er am oberen Talrand sitzend sich den Aschewind wie Koks durch die Nase ziehen wird. Ein toller Tag! Und morgen die ganze Welt!

Ein Kurierfahrer hält quietschend vor dem Hotel Adolfshof. Aus dem original VW 181 Kübelwagen mit Boxmacht-Emblem springt ein gut aussehender arischer blonder Offizier in hautenger Lederkombination. Federleicht tänzelnden Schrittes bringt er eilig ein bunt verpacktes Päckchen zu General William T. Sherman.
Winteridylle Adolfshof

"Sei high, General! Hier ein eiliges Päckchen aus dem vaterländischen HQ." Mit einem freudigen und dankbaren Lächeln nimmt William T. Sherman den Kurier durch die vorschriftsmäßige Aussparung in der Lederhose von hinten und danach das Päckchen. Er öffnet das Päckchen, das irgendetwas Aufblasbares, eine Gasflasche und eine Anleitung enthält:

"Attention! Use gas tank only as instructed. No rectal use! No Jews! Thank you for choosing an IG-Techno high quality product. And remember: Our customer service line +49 190 QUICKHELP is always pleased to satisfy all your needs. We try even harder."

Während der Kurierfahrer auf dem schnellsten Weg dem Tal entflieht, bläst General William T. Sherman mit Hilfe der Gasflasche das Gummiteil auf. Es entfaltet sich als Minarett. Der General bewundert noch diese streng phallische Form, als die kleinen Glühlämpchen an der Spitze lustig zu blinken beginnen. Eine fiepende rotierende Antenne fährt an der Spitze aus, Lautsprecher beginnen zu dröhnen: "Allah... aah...."

Der General William T. Sherman ist leicht irritiert. Er staunt: "Was soll das sein? Fastfood Islam für Arme?"

Seine Soldaten gucken schon alle so komisch: "Scheiße!"


Drop-Show

Vor laufender Kamera sitzt H.P., im Hintergrund eine Schweizer Karte, auf der im Lötschental ein roter Punkt blinkt. "Darrr... Wirrrr haben sie! Tod allen Turbanträgern! Wirrrr rrrächen das amerrrikanische Volk." Im Hintergrund Morchels Gegiggel: "Schon wieder?"

General William T. Sherman sieht das territoriale Luftschiff LZH-2 majestätisch über dem Tal einschweben. Ein riesiges Werbebanner flattert hinter dem Luftschiff: "Soeben entdecken Sie, wie wirksam Bannerwerbung ist. Einen schönen Tag noch!"

Von territorialen Stratosphärenbombern abgeworfen nähert sich ein Hagel aus Bomben. Wie ein Vorhang teilt er sich vor dem Luftschiff und schließt sich genau wieder bei General William T. Sherman. Sein letzter Gedanke, bevor er und die Seinen sich donnernd mit dem Schweizer Bauschutt vermischen, ist: "Ihr Krauts seid doch die Herrenrasse!"
Drops

Vor dem Bombenschacht, unter dem das zerschmetternde berstende Tal zu sehen ist, die erneute Live-Schaltung nicht bemerkend, murmelt H.P. gedankenverloren vor sich hin: "Und demnächst diese verdammten Kommunistenschweine. Diese beschissenen Schlitzaugen! Ich hasse sie..." Er sieht die rot leuchtende Glühlampe auf der Kamera, und setzt sein strahlendes Lächeln auf, die weißen Zähne blitzen rein: "Im Rahmen der Drop-Show präsentieren wir Ihnen auf KP1 die Live-Bombardierung des Lötschentals. Natürlich in Digital Snorround, denn die BoFü ist überall und meistens hinter Ihnen! Beginnen wir direkt mit unseren Kandidaten. Zuerst Michael aus Keldenich. Michael ist Diplom-Landwirt und möchte etwas gegen die BSE-Krise tun."

Die Kamera schwenkt auf Michael, der mit seinen Gummistiefeln auf den schwarzen Aluplanken des LZH-2 fast ausrutscht. Lächelnd treibt er eine BSE-Kuh mit verdrehten Augen auf den Bombenschacht zu. Mit einem lang gezogenen "Muuuuhhhhh-" fällt sie durch den Bombenschacht trudelnd zum glühenden Lötschental.

Castor
"Jetzt kommt Karl-Heinz. Er ist Vorsitzender des Industrieverbandes Territorialer Energieversorger, dem übrigens auch die IG-Techno angehört, und möchte etwas für die Akzeptanz von Ökostrom tun."

Der Ladekran schwenkt einen Castor-Behälter über den Bombenschacht. Karl-Heinz drückt zufrieden den Final-Release-Button, und der mehr als handwarme, zart rosa glühende Castor-Behälter fällt schnurgerade in einen mit eiskalten Wasser gefüllten kristallklaren hochalpinen Bergsee, wo er durch den Temperaturunterschied zerbirst. Die keimfreie Trinkwasserversorgung der Schweiz ist für die nächsten 1000 Jahre gesichert.

"Und nun Morchel von der BoFü. Er möchte etwas gegen den internationalen Terrorismus unternehmen." Stimme aus dem Off: "Eigentlich müsste er dann ja selbst springen." Jemand stirbt unverhofft an Genickschuss und verschwindet durch den Bombenschacht.

Morchel zerrt ein vorgesteinigtes kleines Männchen im Bademantel an seinen langen Barthaaren zum Bombenschacht, von wo aus er es mit einem eleganten Fußtritt seines handgearbeiteten schwarzen Stiefels in den Abgrund befördert. Der Bart des Männchens flattert beim Fallen lustig im Wind.

Freistil
"Der Aufschlag ist perfekt. 10 Punkte für die BoFü. Und damit steht der Tagessieger fest: Die BoFü!" Das Publikum applaudiert frenetisch. Ein leicht unbekleidetes rothaariges fülliges Nummerngirl kommt im Salsaschritt herein getanzt und präsentiert H.P. lächelnd drei Umschläge im Fächer vorgestreckt. H.P. stutzt. Er kann sich nicht entscheiden: Umschlag 11, 9 oder 2001? Spontan zieht er Umschlag Nummer 11 und verliest mit vor Entsetzen bebender Stimme die schreckliche Nachricht: "Wir wurden verraten! Unter niemals zu klärenden Umständen wurden unserer Luftwaffe die falschen Zielkoordinaten untergeschoben. Meine Damen und Herren! Mit großem Bedauern und Entsetzen, mit herzlicher Anteilnahme auch an die amerikanischen Angehörigen, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass die U.S. Army 2nd Armored 'Hell On Wheels' Division, die sich im Vormarsch durch das Schweizer Lötschental befand, versehentlich liquidiert wurde. Damit diese großartige Truppe nicht in Vergessenheit gerät, wird Rival eine limitierte Sonderserie von hochwertigen Miniaturpanzern 'Awesome MlAl Vadder Abraham Main Bottle Tank' aus bestem Cruppstahl auflegen. Sichern Sie sich jetzt unter 0190-SCHROTT Ihr persönliches Exemplar! Als kleines Schmankerl präsentiert Ihnen die BoFü nun den 'Schuldigen der Stunde': Er war es!"

Etwas ermüdet schleppt B-HUHN Wostrowski ein kleines dürres Männchen mit langem Bart und Bademantel in rasselnden Ketten hinter sich her. Wostrowski wirbelt seinen Gefangenen eher unkonzentriert herum, so dass dieser stolpert und durch den Bombenschacht in die Tiefe fällt.

"Wostrowski! Was machen Sie darrr???"

Wostrowski guckt mit leerem Blick durch den Bombenschacht, zuckt dann mit den Schultern und meint trocken: "Regen Sie sich nicht auf. Ich habe noch mehr davon."

H.P. winkt ungeduldig: "Jaja! Jetzt machen Sie schon!"

Wostrowski verschwindet aus dem Bild und taucht kurze Zeit später mit einem weiteren kleinen dürren Männchen mit langem Bart und Bademantel auf. Er starrt seinen Gefangenen an: "Los, sag endlich deinen Spruch auf."

"Ich war es nicht?"

"Das war mir schon vorher klar." Mit diesen Worten zückt B-HUHN Wostrowski seine Walther PPK und erschießt den Gefangenen. Sein Blut läuft über die schwarzen Aluminiumplanken zum Bombenschacht ab, wo es sich als feiner Nieselregen in der phosphorverqualmten Luft über dem toten Tal herab schlägt. Wieder einmal hat die BoFü das amerikanische Volk gerächt!

Die Kamera schwenkt zurück auf H.P., der sich gerade die Hose schließt. Mit den Worten "Vielen Dank, Lady D." schubst er das Nummerngirl durch den Bombenschacht, was ihm einen strafenden Anruf von Morchel über das Headset einbringt: "Das da unten sind wieder unsere Verbündeten, oh Idiot! Nichts mehr da runter schmeißen!"


Arnold

H.P. kündigt einen weiteren volksnahen Propagandabeitrag an: "Eine so hoch motivierte und bis an die rein weißen Zähne bewaffnete Truppe wie die Boxmacht muss natürlich ausgebildet werden. Begleiten wir nun Arnold auf seinem ersten Einsatz mit dem neuen Säbelzahn, der den Laserheizer //e in der Panzerwaffe abgelöst hat."

Das Bild zeigt ganz nah die schwarze Rückseite des Säbelzahns, der ganze Stolz von Dust-Industries. Die Ketten schauen unter der anmutigen sportlichen Panzerung hervor. Ein Reporter hüpft in das Bild: "Guten Tag liebe Zuschauer! Mein Name ist Michael Krumbutzski, und ich werde Sie durch den Rest der Sendung begleiten. Gerade startet Arnold die Flüssigwasserstoffmotoren seines Säbelzahnes, und gleich wird er mit ca. 300 km/h dem Feind in den Schweizer Bergen entgegen jagen! Wir alle werden stolz auf ihn sein."

Die Bilder wackeln
Im Säbelzahn knirscht es. Dann folgt ein Klacken, und die Motoren dröhnen auf. Aus dem Abgasrohr schießt ein Schwall 800 Grad heißen Wasserdampfes und verbrüht den Reporter und sein Kamerateam bis auf die Knochen. Noch während sich die kochenden Lippen von Michael Krumbutzkis schreiendem Mund lösen, setzt der Säbelzahn zurück. Eine schwarze Wand aus Stahl zermatscht den Reporter vor der Kamera, dann fällt das Bild aus.

Nach Sekunden erscheint der Ausgang eines Tunnels in der Schweiz. Nicht informierte Touristen strömen in ihren Wagen vollbepackt mit Gepäck und Kindern auf den Rücksitzen hinaus. Ein Reporter hüpft in das Bild: "Guten Tag liebe Zuschauer! Mein Name ist Walther Knicktatzki, und ich werde Sie durch den Rest der Sendung begleiten. In wenigen Sekunden wird Arnold die Invasion der Schweiz durch die territorialen Bodentruppen einleiten! Wir alle werden stolz auf ihn sein."
Ein Licht am Ende des Tunnels

Der Strom der Autos beschleunigt unaufhörlich seine Geschwindigkeit, bald schießen sie aus dem Tunnel wie Wasser aus einem geplatztem Leitungsrohr. Der Berg bebt, als eine fauchende rotglühende Druckwelle die Fahrzeuge wie bunte Konfetti aus dem Tunnel schießt. Hinter einem davon wirbelnden Reisebus rast der erste Säbelzahn auf wirbelnden Ketten über qualmende Autowracks und knackende Knochen in das Freie. Er richtet präzise während der vollen Fahrt die Kanone auf den in der Luft torkelnden Reisebus und beglückt diesen mit einem weiteren Projektil. Der Bus zerplatzt in Fetzen, und es regnet plötzlich überall tote Omas. Der Reporter Walther Knicktatzki lächelt immer noch, als er von einem herab fallenden Autobusreifen in den Rasen geklatscht wird. Die Kamera geht nach oben und fängt gerade noch den herab stürzenden Motorblock ein. Das Bild fällt aus.

Die Übertragung beginnt aus einem Zeltlager. Jugendliche in kurzen Hosen und karierten Hemden gammeln vor den Zelten herum und spielen gelangweilt an ihren Genitalien. Ein Reporter hüpft in das Bild: "Guten Tag liebe Zuschauer! Mein Name ist Peter Snubinski, und ich werde Sie durch den Rest der Sendung begleiten. Ich befinde mich in einem Ausbildungslager der Terroristen mitten in der Schweiz, und Arnold wird mit seinem Säbelzahn bald hier sein um diese Brut auszulöschen. Wir alle werden stolz auf ihn sein."

Aus einem benachbarten Wäldchen bricht der Säbelzahn mit Arnold an den Steuerhebeln. Herum wirbelnde Tannenstämme pfählen die ersten Jugendlichen in den Staub. Sie versuchen kreischend zu fliehen, doch die meisten enden unter den Ketten, hinter denen Blut und Gedärm weg spritzt. Weitere Säbelzähne brechen hervor. Während sie die fliehenden Pickeldrücker verfolgen, verfangen sich deren Zelte mit den Seilen an den Säbelzähnen, so dass sie eine Art riesiges Schleppnetz hinter sich her ziehen. Das Kamerateam verfängt sich in diesem Gewirr aus Zeltplanen und wird mit geschliffen. Die Kamera zeigt aufreibende Bilder des Reporters Peter Snubinski, der immer weiter über den Boden gezogen wird und dabei unstetig Masse an den rauhen Untergrund verliert. Zwischendurch hüpfen lustig abgerissene Köpfe, Arme und Beine vor der vorbei rauschenden Landschaft durch das Bild. Bevor es dann wiederum ausfällt, ist noch ganz kurz die davon eilende Reihe schwarzer Säbelzähne zu sehen.


Schießsport

Mühsam zieht sich der erschöpfte Bergsteiger nach oben. Die eiskalte Luft durchströmt seine schmerzenden Lungen wie Flüssigstickstoff. Mit einer weiteren übermenschlichen Anstrengung streckt er sich nach dem in die Felswand eingeschlagenem Haken und hält ihn zufrieden fest. Ein Zischen mit abschließendem "Schwapp" trennt ihn sauber von seiner Hand. Ungläubig sieht er auf die glitzernde CD mit der Aufschrift "AOL (American Oral Line) - Jetzt 50 Stunden gratis!"an seinem Armstumpf, bevor er abstürzt. Am Sicherungsseil baumelnd sieht er die BoFü auf dem Panoramadeck der voll beflaggten LZH-2 an dem Berg vorbei schweben.

Bonusrunde
Morchel lächelt ihn freundlich durch seine voll verspiegelten Sonnenbrille an und lädt eine 20 Stunden AOL CD nach. Mit dieser durchtrennt er das Seil. Die Highscore-Liste von "Terroristen Jagd" registriert einen Bergsteiger mit 70 AOL-Stunden auf Morchels Konto. Danach ist Fabo dran. Sportlich erledigt er eine Gruppe Free-Climber mit 110 AOL-Stunden und setzt sich damit souverän an die Spitze. Natürlich versaut es H.P. wieder, und die Horde Rucksack-Touristen kann hinter ein paar Felsen entkommen. Eine CD köpft einen Steinadler, was H.P. ein paar Alibi-Punkte einbringt. Damit hat er es satt: "Warum müssen wir die Kerle denn unbedingt einzeln von den Alpen pflücken? Lasst uns Rasterfahndung machen!"


Rasterfahndung

Nicht zum ersten mal denkt Morchel über absolute Alleinherrschaft nach, als H.P. ungefragt die Highscore-Liste löscht und Subversive Software Rasterfahndung startet. Bei dem Anlegen eines neuen Fahndung-Dokumentes werden sie von Hans Handschelle dem persönlichen Assistenten begrüßt: "Sei High! Sie wollen eine neue Rasterfahndung erstellen. Beantworten Sie bitte zuerst einige Fragen zur Zielgruppe, und schon bald können Ihre Einsatzkräfte ausrücken. Bitte wählen Sie Ihre Datenquellen."

Hans Handschelle
Morchel klickt aus den angebotenen Datenbankverbindungen das Rabatt-Netzwerk "Play Back", den Bund der lobbyistischen weltweiten Job Online Bewerber (BLOWJOB), den Ticket-Deanonymisierer des Territorialen Verkehrsbundes und den Zentralserver Zahlungsverkehr. In einer abgeschlossenen Hüllenoperation zapft der persönliche Assistent 20 weitere ähnliche Datenquellen vollautomatisch an und verbindet sie über IDBC (Investigative Database Connectivity). Während der ADI-Provider (Active Data Interceptor) bereits IQL-Statements (Interrogative Query Language) abfeuert um die ersten Daten-Hyperkuben auf den Rechner der LZH-2 hoch zu jagen, stellt die BoFü zusammen mit Hans Handschelle aus vorgefertigten Attributen ein absolut exaktes Täterprofil zusammen. So ist der typische Terrorist und Zielperson männlichen Geschlechts, zwischen 20 und 40 Jahre alt, Bartträger, konsumunfreundlich, abweichend von der kulturellen Norm, lebt zurück gezogen und versucht oft in einer merkwürdigen unverständlichen Sprache zu kommunizieren.

Das Fenster mit dem neuen Fahndungs-Dokument öffnet sich auf dem Display und zeigt die territoriale Karte. Überall leuchten grüne, gelbe und rote Punkte auf, ein Zähler rast auf die 6 Millionen zu. Der persönliche Assistent Hans Handschelle fragt grinsend und augenzwinkernd nach, ob er die gewonnenen Personendaten nach ZUGRIFF (Zentral-Umfassender geheimer rigoros-interaktiver Flüchtigen-Fänger) übertragen soll. Morchel bestätigt den Vorschlag. Im ganzen Territorium beginnen 1-Nadel-Impaktdrucker mit der Ausgabe von Haftbefehlen.


Verhaftet

Auf dem Linux-Tag bemerken die Organisatoren während der Podiumsdiskussion "Linux - Freie Software gegen Diktatoren?" zu ihrem Leidwesen, dass sie sich leider die falschen Gäste ausgesucht haben: Wietse Venema und Dan J. Bernstein wälzen sich obszön fluchend auf dem Boden und schlagen wild aufeinander ein. Dazwischen keuchen sie Begriffe wie "Security Hole", "Memory Leak" oder "Performance Problem". Über ihnen schwebt ein riesiger aufgeblasener Ballon-Pinguin. Die anwesenden Linux-User beginnen sich nach Sendmail zu sehnen. Der Moderator, der Chefredakteur eines zu weit verbreiteten Linux-Magazines, versucht verzweifelt dieses unwürdige Schauspiel zu beenden: "Meine Herren, bitte beruhigen sie sich! Sagen sie uns doch lieber, wie freie Software wie postfix oder qmail hilft faschistische Gewaltherrschaft zu verhindern."
"Meine Herren, bitte..."

Während die rothaarige Simultanübersetzerin, deren langen rasierten Beinen übrigens das Hauptaugenmerk der anwesenden Linux-User gilt, das Gestammel noch in Anglizismen übersetzt, bemerkt keiner der notgeilen Bartträger das sanfte Glühen in der Hallendecke über dem aufgeblasenen Pinguin. Krachend bricht etwas durch die Decke in den Pinguin und fällt mit ihm auf das prügelnde Pärchen am Podiumsboden. Mit einem lauten Knall platzt der gigantische Pinguin: Gummifetzen, Hautfetzen und Fleischbröckchen fliegen dem Publikum in die staunenden Gesichter. Nachdem sie sich die Überreste von Venema und Bernstein aus den Augen gerieben haben, erblicken sie das Halbkettenfahrzeug mit dem gut aussehenden schwarz uniformierten Geheimpolizisten Tochtenschergen der BoFü im Ledermantel und dem böse schimmernden DustToDust-Blaster in den Armen. Er hat sich inzwischen in das Lautsprechersystem der Halle eingeklinkt. Seine Stimme bellt zwischen die verschreckten Linux-User: "Im Namen der BoFü: Sie sind alle verhaftet!"

"Aber warum?" wagt der ehemalige Diskussionsleiter in die plötzliche Stille zu fragen. Tochtenschergen wirbelt zu ihm herum, visiert ihn durch seine Nickelbrille an und verteilt ihn mit einem einzigen Schuss aus dem DustToDust-Blaster über den Stand seines Linux-Magazines.

Effizienter
Bürgerservice
"Natürlich die Angehörigkeit zu der terroristischen Organisation 'El Heida'!", ein weiterer Schuss aus dem Blaster senkt die Attraktivität der rothaarigen Simultanübersetzerin quasi in das Bodenlose.

"Und was noch viel wichtiger ist:", Tochtenschergen grinst gemein in die Menge der zitternden Linux-User hinein, "Widerstand gegen die Staatsgewalt!" Er feuert "DOOM!" schreiend in die Menge, die eilends zu den Ausgängen wogt, während abgerissene Schädeldecken und Fingerkuppen über ihre Köpfe fliegen. Draußen werden die Überlebenden von bereit stehenden Greifkranen abgefangen und bündelweise in die Transportkäfige verfrachtet.

"Viele von diesen Typen haben gar keinen Bart..."

"Egal! Erschießt zuerst die mit Bart und sperrt die anderen vorher ein paar Tage lang weg bis ihnen einer gewachsen ist!"


Alpenglühen

Die Linux-Gemeinde läßt sich dieses Vorgehen des Territoriums natürlich nicht bieten. Überall im besetzten Internet tauchen braune Schleifen auf, in denen subversiv dazu aufgefordert wird die territorialen Server mit gefälschten Geständnissen samt erfundenen Aufenthaltsorten des gefürchteten terroristischen Alm-Öhis zu fluten. Diese geschlossene Demonstration der Stärke und moralischen Integrität würde das Regime in die Knie zwingen!

Fabo sitzt an seinem mächtigen schwarzen Schreibtisch mit den eingelassenen Plasma-Monitoren, hinter ihm hängen würdevoll Territoriums-, BoFü- und IG-Techno-Standarten aus schweren Stoffen in satten Farben. Durch ein hohes gotisches Fenster sieht man die Alpen in der Abenddämmerung vorbei ziehen. Nachdem er ein weiteres Protokoll bestätigt hat, wendet sich Fabo direkt an Morchel: "Der innere Widerstand wurde anscheinend gebrochen. Allerdings wurden uns über 2000 mögliche Zuflüchte des Alm-Öhis genannt. Was sollen wir unternehmen?"

Morchel zieht genüsslich an seiner Zigarre, was bei Fabo angesichts der Wasserstoff-Füllung der Auftriebszellen im LZH-2 Zuckungen an beiden Mundwinkeln verursacht. Danach spricht Morchel ein Wort: "Nukleareinsatz!"

"Aber wo?" Fabo kratzt sich verlegen hinter seiner prächtigen Schirmmütze mit Reichsraptor und Totenkopf-Emblem.

"Ja... Überall!" Morchel blickt verträumt hinter seiner voll verspiegelten Sonnenbrille durch das Fenster auf das Gebiet der Schweiz. Für ihn kann es niemals eine andere Antwort geben.

Terraforming Switzerland
Fabo gibt über die Konsole die nötigen Kommandos und Freigaben für die Aktion "Final Justice". Während die erste Welle ihre Raketensilos verlässt, steigt die LZH-2 auf 15000 Meter Höhe. Erstickte Angehörige eines Resozialisierungsprojektes für jugendliche Fixer und Stricher, die eigentlich die Aufgabe hatten die Außenhülle der LZH-2 ständig zu wienern und so auf Hochglanz zu halten, baumeln mit rotem Schaum vor Mund und Nase erstickt in ihren Sicherungsseilen.

Während hunderte von Megatonnen thermonuklearer Urkraft aus der Schweiz einen riesigen Parabolspiegel für das nächste BoFü-Forschungsprojekt SETI (Slaughter of Extraterrestrial Idiots) umformen, steht H.P. siegesgewiss lächelnd vor der Kamera: "Mit einem chirurgisch präzisen Luftschlag ist es uns gelungen den gefährlichen Anführer der El Heida, den schurkischen Alm-Öhi, zu liquidieren."
Genf

Das Fernsehbild zeigt einen weiteren Einschlag in das Matterhorn, der die pyramidenartige Bergkuppe absprengt. H.P. wedelt mit ein paar Papieren herum: "Aus der ganzen Welt erreichen uns Glückwünsche über unser Fingerspitzengefühl bei der Niederschlagung des internationalen Terrorismus. Die BoFü ist gerührt über soviel geistigen Beistand. Unser besonderer Dank gilt dem Papst und dem Präsidenten der USA. Leider gab es auch einen nicht zu vermeidenden Kollateralschaden: Die Genfer Konventionen wurden völlig ausgelöscht. Aber glücklicherweise gibt es eine von uns beglaubigte Kopie auf den territorialen Servern, die wir beizeiten zurück spielen werden."


Ende?

Alles nur Tarnung
Plötzlich erbleicht H.P.: "Uns hat eine neue schreckliche Nachricht erreicht!", ihm kullern die Tränen aus den Augen, als er diese weitere Katastrophenmeldung verlesen muss: "Michael Jason zu Tode gefickt! Diese wirklich üblen Bilder erreichten uns erst vor wenigen Minuten."

Inmitten einer Herde von schnuckeligen Geißen hüpft ein Bunny auf und nieder. Als dann die Sonne untergeht, ist das Werk getan. Der Geißen-Peter im Bunnykostüm hüpft der untergehenden Sonne entgegen, gefolgt seiner meckernden Herde Geißen. Aus dem Off hört man noch H.P.s schrill schimpfende Stimme: "Glaube nicht, dass Du uns entkommen kannst. Es ist noch nicht vorbei. Wir kriegen euch alle!"


Verantwortliche

Snorr - Arbeitsplatz und Catering

Van - Rechtschreib- und Grammatik-Kontrolle

Psycho - Moralischer und menschlicher Beistand

Neger -Merkwürdige Geräuschkulisse und Ideen


KP1 ist das Kulthafte Programm Nr. 1 der BoxFührung. Die ersten Teile gibt es hier.


Schlusszitate

"Ein Komma wäre nicht schlecht, das lockert den Satz auf!" (Psycho)

"Vollbesetzen! Das ist aber nicht Polen, das ist ein Aufzug!" (Snorr)

"Jetzt kann man was zermatschen..." (Snorr)

"Das wollte ich nicht..." (Psycho)

"Ich brauch was Blondes!" (Snorr)

"Ich kann nichts dafür! Das ist das Rückenmark!" (Snorr)

"Nene der Wein war es. Weiro ist schuld!" (VAN)

"Ich habe CTRL gedrückt!" (VAN)

"Noch'n VAN!" (Snorr)

"Wir können auch noch ein bisschen rülpsen!" (Snorr)

"SuSE ist stabil." (VAN)

"Schlucken für den Führer." (Snorr)

"Lieber Tee als Telekom." (VAN)

"Ich bin ein Schwein." (Psycho)

"Das ganze ist so chaotisch, du weißt gar nicht, was du als nächstes machen sollst." (VAN)

"Hauptsache, es sterben ein paar Leute." (Snorr)

"Den Schrumpfkopf machst du mit vier Schraubstöcken." (Artemis)

"Wir müssen ein wenig Homosexualität hereinbringen." (Snorr)

"Ach, kloppt Euch doch! Ist mir doch egal, ob er lebt oder nicht." (VAN)

"Wenn er sich die Gasflasche in den Arsch stopft, dann kann er unser Minarett nicht mehr aufblasen." (Snorr)

"Wenn da keine Leute mehr sind, dann brauchen die auch kein Trinkwasser, oder?" (Neger)

"Wir müssen noch jemand aus dem Schacht schmeißen!" (Snorr)

"Schon mal was von Resozialisation gehört, und dass man Menschen noch eine Chance geben muss?" (Snorr)

"Machen wir die klassischen Sachen: An den Eiern aufhängen und unter Strom setzen?" (VAN)