Food Divison BoFü

Putenkeule

Zutaten:

Eine Pute ist eine Art großes hässliches Mutantenhuhn, dem man sich nie ohne Baseball-Schläger oder besser gleich Flammenwerfer mit eingebauter "Feind Würz- und Grilleinrichtung" nähern sollte. Im Supermarkt findet man Pute fertig in Stücke gehackt und in Plastik abgepackt in der Geflügelkühltheke, wo sich die Fleischbrocken angenehm preiswert von solchen Hungerleider Knochenansammlungen wie "Tauben", "Wachteln" oder "Wildfasanen" abheben.

Neben der im Titel genannten Putenoberkeule bestand so ein Vogel in seiner Proto-Existenz mal aus Putenunterkeulen, Putenflügeln und Putenbrust. Die Putenunterkeule ist im allgemeinen leider mit Sehnen durchzogen, deren Entfernung beim Essen leicht in einem frustrierendem Geduldsspiel ausarten kann. Bis das raus gezüchtet bzw. raus genmanipuliert wurde, kann die BoFü-Fooddivision vom Verzehr der Putenunterkeule nur abraten. Dagegen sind Putenflügel eine brauchbare Alternative für Freunde des handgreiflichen Verzehrs großer Mengen preiswerten Fleisches. Bei Putenbrust hingegen ist wiederum fraglich, ob es sich bei diesem Phänomen aus der Kühltheke überhaupt um Fleisch handelt. Man kann mit Putenbrust machen was man will, entweder sie ist roh oder so trocken wie eine Frau, die man im Bett gerade über einen dicken Pickel auf ihrer Nase informiert hat.

Die Putenoberkeule wird von allen Seiten mit Salz und Pfeffer gewürzt. Das Curry-Pulver ist nur an der Unterseite zu verwenden, denn Curry verträgt keine trockene Hitze und verbrennt zu einer dunklen Substanz in Geruch, Aussehen und Geschmack dem Ausstoß eines Krematoriums nicht unähnlich. Übrigens ist Curry kein Gewürz sondern eine Gewürzmischung. Wenn das bewährte "TIP-Curry" von Real gegen ein "fantastisches original Curry aus Jaipur" eingewechselt wird, das ein Freund, der zwei Tage später in Krämpfen und unter Auflösung seiner Gedärme verschieden ist, von seiner letzten Asientour mitgebracht hat, dann kann das gelinde gesagt zu Überraschungen führen.

Die Putenoberkeule mit der Haut nach oben in ein feuerfestes Gefäß geben, die Zwiebel in kleine Stückchen schneiden und zusammen mit einer Tasse Wasser um die Keule herum drapieren. Die Flüssigkeit mit Salz, Pfeffer und Curry würzen. Den ganzen Kram im vorgeheizten Ofen bei 190 Grad mindestens 75 Minuten ohne Deckel garen. So gibt es eine gute Grundlage für eine Sauce und eine crosse Haut, die der einer Frührentnerin nach 8 Stunden kanarischer Sonne in nichts mehr nach steht.

Wenn die Putenoberkeule durch gegart ist, kommt die Stunde der Entscheidung: Entweder eine helle Curry-Sahne-Sauce oder eine dunkle Erdnuss-Sauce? Für beide Varianten den Sud erstmal auf dem Herd aufkochen. Wenn das Gefäß in dem die Keule im Ofen gegart wurde was ab kann, dann direkt dafür weiter verwenden. Um eine helle Curry-Sahne-Sauce zu erhalten den Sud mit einem hellen Saucenbinder (Mondamin klassische Mehlschwitze liefert sämige Ergebnisse) abbinden und mit Sahne schön fett machen. Auf jeden Fall nochmal mit Salz und Curry abschmecken.

Die Erdnuss-Sauce ist fast genauso einfach, falls man nicht gerade auf dem Trip ist ökologisch angebaute Erdnüsse selbst in der Pfanne zu rösten. Stattdessen wird ein dicker Klumpen Erdnusscreme (und nicht Erdnussbutter, 90% Erdnüsse, der Rest Zucker und Öl, das Zeug, aus dem sich auch Erdnusskerzen machen lassen) in den kochenden Sud gerührt. Übrigens niemals die Erdnusscreme von Anfang an mitkochen lassen, der nussige Geschmack geht durch längeres Kochen vollständig verloren. Wenn keine Klümpchen mehr da sind, den Sud mit dunklem Saucenbinder abbinden. Danach abschmecken, falls das alles zu intensiv schmeckt kann ein Schuss Sahne nicht schaden.

Dazu passt alles, am besten aber dicke Röhrennudeln. Oder Reis. Oder Rösti. Oder frisches Weißbrot.

(SNORR)